Donnerstag, 13. März 2008

Dschungeltour erster Teil

Die wichtigsten Neuigkeiten gleich zuerst: Ich bin wohlbehalten aus dem Dschungel zurueckgekommen, habe zwei Giftschlagen und mehrere grosse Spinnen gesehen. Aber erstmal der Reihe nach (macht euch auf eine lange Lektuere gefasst!).
Am Samstagmorgen sind Anna-Lena und ich also wie geplant Richtung Dschungel nach Tena aufgebrochen. Bin vor lauter Aufregung mal wieder zeitig wach gewesen, was aber den Vorteil hatte in aller Ruhe packen und mit Albita fruehstuecken zu koennen. Gegen 9 Uhr bin ich schliesslich in einem ueberfuellten Bus nach Quito aufgebrochen, wo ich mich ca. eine Dreiviertelstunde spaeter mit Anna-Lena getroffen habe. Haben vor Ort dann unsere Bustickets gekauft und sassen puenktlich 10:30 zur Abfahrt im Bus. Hab sogar einen kleinen Geburtstagskuchen von Anna-Lena geschenkt bekommen, so dass ich meinen Geburtstag sogar ein bisschen feiern konnte (vielen Dank uebrigens fuer die vielen lieben Geburtstagsgruesse per Telefon, SMS, E-Mail, Studivz etc. - hab mich total gefreut, dass so viele an mich gedacht haben!!!).
Gegen fruehen Nachmittag sind wir dann schliesslich nach einer sehr langen Busfahrt in Tena angekommen, wo wir uns gleich eine Unterkunft fuer die Nacht gesucht haben. Dort gab es leider kein Mueckennetz, was laut der Betreiber auch nicht noetig sei, da es hier keine Malaria gibt. Ich habe der Sache allerdings nicht so ueber den Weg getraut, da mein Reisefuehrer was anderes meint. Anna-Lena war meine Rettung, da sie ein Mueckennetz mit hatte und bereit war dieses mit mir zu teilen. Daraufhin sind wir zu Ricancie, einem Dschungeltouranbieter gegangen, um unsere Dschungeltour vorzubereiten und letzte Details zu klaeren. Und danach haben wir uns eigentlich nur noch was zu essen gesucht und sind anschliessend ins Hostal zurueck, wo wir die letzten Minuten in der Zivilisation vor dem Fernseher verbracht haben. ;-)
Sonntag war es dann soweit - unser erster Tag im Dschungel. Sind gegen 7 Uhr aufgestanden um noch in Ruhe unsere Siebensachen fuer den Urwald packen zu koennen und noch schnell eine Kleinigkeit essen zu koennen. Wir sind dann schliesslich mit etwas Verspaetung bei Ricancie angekommen (machte nichts, da unsere Reisegruppe nur aus uns beiden bestand), wo wir ueber den Ablauf informiert wurden und unsere Gummistiefel erhalten haben (ueberaus wichtiges Utensil fuer den Regenwald wie wir feststellen durften). Gegen 9 Uhr sind wir dann mit Emilio, unserem guía, Richtung Kommune aufgebrochen. Die erste Strecke konnten wir noch mit dem Auto zuruecklegen und danach ging es zu Fuss weiter. Nach etwa 30 rutschigen Gehminuten kamen wir dann schliesslich in der Kommune an und haben erstmal unsere Cabaña bezogen. Sie war zwar sehr einfach eingerichtet (kein Strom, nur Kerzen, kaltes Wasser, aber immerhin Toilette), aber es gab immerhin Mueckennetze fuer einen ruhigen Schlaf.
Wir wurden ca. eine halbe Stunde spaeter von Emilio abgeholt und er hat uns im Dorf (bestehend aus ca. 10 Haeusern) herumgefuehrt und einen kleinen Fluss gezeigt. Anschliessend haben wir uns etwas vor einem gefaengnisartig aussehenden Kiosk die Minuten bis zum Mittagessen vertrieben. Nach dem Mittagessen hatten wir wieder etwas Zeit zum Entspannen und sind gegen Nachmittag dann Richtung Dorfplatz gezogen und haben den Dorfbewohnern etwas beim Volleyball zugeschaut. Wollten eigentlich in einem natuerlichen Flussbecken baden gehen, aber das fiel auf Grund von stroemendem Regen buchstaeblich ins Wasser. :-) Gegen spaeten Nachmittag haben wir uns schliesslich mit Schokolade und Keksen von den "Strapazen" des Tages erholt und die Zeit bis zum Abendessen verbummelt (wir sollten uns auch in den naechsten Tagen von Essen zu Essen hangeln, da wir diese trotz sehr leckeren und normalen Portionen nahezu staendig in einem Zustand von Hunger verbrachten).
An unserem ersten Abend ging es dann schon gegen 8 Uhr, im Stockfinsteren, zu unsere Huette zurueck und mehr oder weniger direkt ins Bett (wie es sich fuer eine Vierteljahrhundertjaehrige und eine Kranke auch gehoert). :-) Haben dabei unser erstes etwas unangenehmes und auch erschreckendes Erlebnis gemacht. Ich wusste ja schon vorher, dass man Schuhe immer ausklopfen sollte bevor man sie im Urwald anzieht, aber habe nicht ernsthaft damit gerechnet, dass sich dortdrin freiwillig ein Tier niederlassen wuerde. Bei mir war das auch nicht der Fall, aber Anna-Lena durfte Bekanntschaft mit zwei dicken fetten Kaefern machen (hatten die Groesse und Form von Kakerlaken), die sich in ihren Schuhen niedergelassen hatten. Die waeren zwar nicht giftig gewesen, aber es waere sicherlich nicht so schoen gewesen halbzertretene Kaeferreste an den Fuessen zu haben. :-D Die darauffolgende Nacht verlief dann allerdings dank Mueckennetz Kaefer- und Mueckenfrei.
Am naechsten Morgen mussten wir uns schliesslich gegen kurz vor 5 Uhr aus dem Bett quaelen, um an einer feierlichen Zeremonie der Quichua teilnehmen zu koennen. Haben uns aufgrund der vorabendlichen Erfahrung mit sehr viel Vorsicht angezogen und saemtliche Kleidungsstuecke mehrmals ausgeschuettelt, reichlich mit Insektenschutzmittel eingerieben und anschliessend auf Emilio gewartet. Mit ihm zusammen sind wir dann zu dem Haus eines Kommunenmitgliedes gelaufen, wo wir leicht bitteren Tee in einer Holzschale bekommen haben. Diesen musste man erst zweimal gurgeln und ausspucken bevor man den Rest trinken durfte. Wir haben dann bei Floetenmusik ums Feuer gesessen und langsam den Regenwald aufwachen sehen und hoeren. Kurz bevor wir wieder zu unserer Cabañas zurueckgegangen sind, durften wir dann noch "Pan de Selva" probieren (Banane, die ueber dem Feuer und in der Glut gegrillt wurde). Gegen 7 Uhr waren wir dann schliesslich wieder bei unsere Huette und haben die Zeit bis zum Fruehstueck verbummelt.
Frisch gestaerkt ging es dann mit Emilio in den Regenwald, wo wir schon nach wenigen hundert Metern auf die erste giftige Schlange getroffen sind, die sich daraufhin im Unterholz verkrochen hat. Der Weg durch den Regenwald war beeindruckend. Die Farben war unglaublich intensiv und es herrschte ein Nebeneinander von Pflanzen und Baeumen, die in voller Bluete standen, und solchen, die am Absterben waren. Auf dem Weg hat uns Emilio die Verwendung verschiedener Pflanzen erklaert und auch einige Fruechte zum Probieren fuer uns eingesammelt. So unter anderem auch den Traum fast jeder Frau: die Rohmasse von Schokolade, die Kakaofrucht. Anna-Lena und ich hatten die Moeglichkeit die Kerne der Frucht zu probieren und haben auch gleich beherzt zugegriffen bzw. gebissen nur um wenige Sekunden spaeter festzustellen, dass man nur das aussere des Kernes ablutscht und den Rest wieder ausspuckt. :-)
Nach vielleicht zwei Stunden sind wir dann an unserem Ziel einer Hoehle bzw. dem Eingang einer Hoehle angekommen. Dort habe ich mich spinnenfertig gemacht (Sonnenhut aufgezogen; Mama, Papa, Kristina und Enrico wissen warum) und bin anschliessend mit den Anderen Richtung Hoehleneingang runtergeklettert. Dort habe ich mich zunaechst einmal auf meinen Allerwertesten gepflanzt und damit die einzige saubere Hose, die ich als notwendig fuer die Dschungeltour angesehen hatte, eingesaut - aber wir waren ja auch nicht auf einem Schoenheitswettbewerb. In der Hoehle haben wir dann eine ueberaus knuffige Fledermaus getroffen, die ueber unseren Besuch nicht sehr begeistert war und ich habe mit Ekel und Entsetzen drei riesengrosse Spinnen gesehen. Da bei mir so ziemlich jede Spinne riesengross und eklig ist, halte ich einen kleinen Vergleich fuer angebracht. Die Spinne (supereklig) war mit ihren Beinen in etwa handtellergross (geschaetzt, habe nicht nachgemessen, falls an dieser Stelle ein dummer Kommentar folgen sollte!!). Die Hoehle war mir folglich nicht geheuer und ich war heilfroh als wir wieder draussen waren. Dort hat uns Pedro, ein zweiter Begleiter, dann auf eine kleine Ausgabe einer Tarantel am Wegrand aufmerksam gemacht.
Der Rueckweg Richtung Dorf war dann wieder eine ueberaus rutschige und matschige Angelegenheit (hinsichtlich des Matsches ein Paradies fuer jedes Kind). Wieder in den Cabañas angekommen sind wir beide erstmal unter die Dusche gekrochen und haben anschliessend zu Mittag gegessen. Danach ging es zu einer Familie des Dorfes, bei der uns die Herstellung von Chicha, einem Getraenk gezeigt, wurde. Danach durften wir das Getraenk probieren und was soll ich sagen, es schmeckt wie ranzig gewordene Buttermilch - also ziemlich eklig.
Wieder im Dorf angekommen hat Emilio uns dann schliesslich noch gezeigt, wie die Yucca (in saemtlichen anderen Formen ueberaus lecker), aus der die chicha hergestellt wird, geerntet wird. Und danach war es auch schon fast wieder Zeit fuers Abendessen. Gegen 10 Uhr sind wir dann schliesslich beide todmuede ins Bett gefallen.
Und damit will ich meinen Dschungelbericht zunaechst unterbrechen, da wir Hunger haben und uns erstmal was zu essen suchen werden. Weitere Berichte folgen aber hoffentlich in den naechsten Tagen.
Fuehlt euch ganz lieb gedrueckt,
eure Kathrin





Donnerstag, 6. März 2008

Reisefieber

Dies werden meine letzten Zeilen sein bevor ich auf grosse Reise gehe und damit vermutlich auch der letzte (halbwegs) regelmaessige Blogeintrag. Werde zwar versuchen euch auf dem Laufenden zu halten wie es mir geht und was ich alles erlebe, aber erwartet nicht zu viel von mir. Wuerde vermutlich mein zeitliches und finanzielles Reisekontigent sprengen, wenn ich alles aufschreiben muesste, was es zu berichten gibt.
Am Samstagmorgen geht es also gegen Neun Uhr hier in Sangolquí los. Danach bin ich ausschliesslich ueber Handy zu erreichen (sofern ich Empfang habe). Meine Reisevorbereitung ist mindestens genauso ausgereift wie vor meinem Abflug nach Ecuador – sprich ich habe noch nicht mit dem Packen angefangen, meine Waesche erst gestern in die Maschine gestopft (versucht jetzt bei schlechtem Wetter zu trocknen) und faulenze rum. Werde wohl oder uebel Freitagvormittag bzw. -nachmittag mit Packen anfangen muessen (Ich hoere jetzt schon meine Mama einen kleinen Anfall bekommen und meinen Papa schimpfen, dass ich mal wieder alles auf den letzten Druecker mache). :-P
Was euch aber vermutlich viel mehr interessiert als meine unausgereifte Reisevorbereitung ist meine bzw. Anna-Lenas und meine Reiseroute, damit ihr jederzeit verfolgen koennt wo ich mich gerade rumtreibe. Dann will ich euch mal nicht laenger auf die Folter spannen. Unsere geplante (mal sehen, ob auch so durchgefuehrte) Reiseroute sieht folgendermassen aus:

08.03. – 12.03. Tena und Dschungel
13.03. Baños
14.03. Ambato
15.03. Riobamba
16.03. Alausí
17.03. – 19.03. Cuenca
20.03. Loja
21.03. Vilcabamba
22.03. Zaruma
23.03. Guayaquil
24.03. – 29.03. Galapagos (jawohl, ihr habt richtig gelesen!)
30.03. Guayaquil
31.03. Puerto López
01.04. Quevedo
02.04. – 03.04 Quito bzw. Sangolquí
04.04. Abflug nach Deutschland

Ich freue mich schon richtig auf die Rundreise und auf die ganzen Erlebnisse, die wir dort machen werden. Hoffe, dass uns das Wetter hold ist und wir keine groesseren Schwierigkeiten (also Busungluecke, Raubueberfaelle, Vulkanausbrueche oder aehnliches) durchleben muessen. :-D
Saemtliche Bilder der Kamera sind auf jeden Fall schon mal vorsichtshalber auf einen USB-Stick kopiert worden, der nicht mit auf Reisen geht. Kameras wechseln hier naemlich verdammt schnell den Besitzer und mir fallen auf einen Schlag drei Leute ein, die jetzt eine Kamera weniger (und die Diebe jeweils eine mehr) besitzen.
Und damit moechte ich mich vorerst von euch verabschieden. Werde versuchen mich sobald wie moeglich wieder zu melden, aber bis dahin wuensche ich euch einen schoenen Fruehling (ob nun mit oder ohne Schnee).

Viele liebe, reiselustige und freudige Gruesse,

eure Kathrin

Kulinarischer Exkurs

Ich hab Sylvia versprochen, dass ich noch berichte wie das Essen hier ist und das Versprechen will ich an dieser Stelle einloesen. :-)
Das Fruehstueck bestand bzw. besteht in meinen beiden Gastfamilien aus Milchbroetchen oder Croissants – meist mit Marmelade. Dazu gab/gibt es in der Regel heisse Milch oder Kakao. Bei Cecilia haben die Kinder aber auch Muesli gefruehstueckt und bei Albita gibt es auch ab und an Ruehrei. Daneben gibt es oftmals frische Saefte (jugo de taxo ist beispielsweise sehr lecker) oder Batidas (also Milchshakes).
Das Mittagessen war/ist bei beiden Familien die wichtigste Mahlzeit des Tages und fiel/faellt entsprechend ueppig aus. So besteht ein typisches almuerzo immer aus Suppe, Hauptmahlzeit und Nachtisch. So viele Suppen wie hier habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gegessen und so eine grosse Vielfalt auch noch nicht – da gibt es Suppen mit Nudeln, mit Brot, Spinat, Kartoffeln, Gries, Haferflocken, Huehnchen und allerlei Sachen, die ich nicht kenne. Die wichtigsten Bestandteile der Hauptmahlzeit sind Reis und Huehnchen (Kann ich beides nicht mehr sehen. Wer mir das in absehbarer Zukunft in Deutschland vor die Nase setzt, der laeuft Gefahr erschlagen zu werden!). Das Huehnchen gibt es auch in allen moeglichen Varianten (paniert, gebraten, gekocht etc.). Fuer den Reis habe ich mir die (unmoegliche) Angewohnheit abgeguckt den mit Ketchup und Mayo zu essen (ist ansonsten so furchtbar trocken, da es keine Sossen dazu gibt). Anderes Fleisch ausser Huehnchen gibt es nicht so oft und wenn, dann in der Regel Hackfleisch (damit kann ich leben) oder wie gestern Fisch (damit nicht). Was es auch regelmaessig gibt, ich aber sehr gerne esse, ist Kochbanane in allen moeglichen Ausfuehrungen – am liebsten aber fritiert oder gebacken bzw. gebraten. Gemuese gibt es relativ selten (und wenn dann rote Beete oder Broccoli). :-( Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Mittagessens sind die Saefte. Da gibt es alles moegliche als Saft, was man sich nur vorstellen kann (frisch, nicht aus dem Tetrapack): Ananas, Wassermelone, Maracuja, Taxo, Erdbeere, Brombeere, Naranjilla etc.
Das Abendessen (bekannt als cena, merienda oder café) kann unterschiedlich ausfallen. Bei Cecilia und Alexandra gab es meist die Reste des Mittagessens. Bei Albita besteht das Abendessen wieder aus Broetchen (Milchbroetchen, Croissants oder - seitdem ich hier bin - auch aus normalen Broetchen) mit Marmelade und heissem Kakao oder Tee. Wie Kevin gestern beim Abendessen festgestellt hat, habe ich dafuer gesorgt, dass das Angebot um Salami, Kaese und Nutella erweitert wurde. ;-)
Freue mich auf jeden Fall schon wieder auf bestimmte Gerichte zu Hause (Lasagne, Nudelsalat, Gedaemptene – der Grossteil fragt sich jetzt sicher was das ist :-) –, Nudeln mit Pesto, Pizza und andere ungesunde Sachen), auch wenn ich einige Gerichte hier vermissen werde (Tortilla, Quimbolitos, fast alles mit Banane, Kaesetaler, angebratenes weisses Ruebenpuree).
Ich hoffe, dass ich euch damit einen kleinen, wenn auch sehr beschraenkten Einblick in die ecuadorianische Kueche verschaffen konnte (gibt also weitaus mehr als nur Meerschweinchen - hatte leider noch nicht die Gelegenheit es zu probieren, aber das naechste Meerschweinchen, dass mir ueber den Weg laeuft, gehoert mir) und Sylvias Neugierde damit zunaechst gestillt ist.

Liebe Gruesse (noch aus der Zivilisation),

die Kathrin

Dienstag, 4. März 2008

Abschied und Ausflug nach Otavalo/Ibarra

Am Freitag hatte ich meinen letzten Arbeitstag in der Schule. Musste diese Woche zwar noch zweimal vorbei um die letzten Korrekturen abzugeben und meine Bescheinigung abzuholen, aber muss nicht mehr arbeiten, sondern kann noch etwas faulenzen. :-)
Mein letzter Tag war ziemlich stressig – zumindest der erste Teil. Bin von Klasse zu Klasse gehetzt und die letzten Tests zurueckzugeben und um die eingeforderten Korrekturen und Hefte einzusammeln. In der 1. und 2. Klasse wurde ich ganz lieb mit einem Bild und einer kleinen gebastelten ecuadorianischen Flagge mit den Fingerabdruecken der Schueler verabschiedet. Schon da habe ich wirklich mit den Traenen kaempfen muessen. Wurde daraufhin in die 3. und 4. Klasse beordert, wo die Schueler ein richtig kleines Abschiedsfest fuer Christine und mich vorbereitet hatten. Es gab alle moeglichen kleinen Snacks und Suessigkeiten. Die Schueler hatten mit ihrer Lehrerin ein kleines Programm aufgestellt bei dem wir offiziell verabschiedet wurden. Hab als einen Programmpunkt von jedem Schueler eine selbstgebastelte Karte geschenkt bekommen, die mir von jedem Schueler einzeln ueberreicht wurde. War mit vielen Umarmungen und Traenen verbunden. Anschliessend sollte ich eine kleine Rede vor den Schuelern halten, was fuer mich eindeutig zu viel war. Hab angefangen zu heulen wie ein Schlosshund (wahrscheinlich eine Mischung aus Abschiedsschmerz, Ruehrung, aber auch Heimweh) und kaum noch ein Wort rausbekommen. War aber in guter Gesellschaft, da etliche der Lehrerinnen aus Mitgefuehl gleich mitgeheult haben. :-)
Nach dem Ende der kleinen Abschiedsfeier wurden die Schueler frueher nach Hause geschickt und es ging in einer Camioneta (das ist ein kleiner Transporter mit offener Ladeflaeche, auf der wir es uns mehr oder weniger bequem gemacht haben) zu Albita und mir nach Hause. Dort gab es leckere Suppe, Lasagne und Kuchen fuer das Lehrerkollegium. Christine und ich haben dort als Erinnerung an unsere Zeit hier eine typisch ecuadorianische Tasche geschenkt bekommen. Gegen halb zwei waren dann die Letzten gegangen und ich habe meine Siebensachen fuer das bevorstehende Wochenende gepackt. Anna-Lena und ich wollten naemlich (zum Einkaufen) nach Otavalo und Ibarra fahren. Haben uns gegen halb drei in Quito getroffen und sind von dort aus mit dem Bus nach Otavalo gefahren (Die zweieinhalb Stunden fand ich schon lang. Frag mich wie das erst bei unserer Rundreise werden soll!). In Otavalo angekommen haben wir uns ein Zimmer gesucht, unsere ganzen Sachen abgelegt und sind erstmal zum Marktplatz, wo wir Preise studiert haben und auch schon erste Handelversuche gestartet haben. Anschliessend waren wir lecker Pizzaessen und haben den Abend dann mit Wein und Chips in der Haengematte ausklingen lassen (damit ihr jetzt nicht ganz so neidisch werdet: es hat in Stroemen geregnet und war von daher ziemlich kalt).

Samstagabend sind wir ziemlich frueh aufgestanden, da wir dem Viehmarkt noch einen Besuch abstatten wollten. Auf dem Weg dahin (Viertel vor Sieben) sind wir schon an vielen Staenden vorbeigekommen, die entweder schon fertig aufgebaut waren oder sich noch im Aufbau befanden. Der Viehmarkt war eine sehr interessante Erfahrung. Das war ein grosser Platz (Schlammcatchen haette dort Hochkonjunktur gehabt) auf dem alles moegliche mit vier Beinen angeboten wurde. Der vordere Bereich war vor allem Schweinen, Lamas, Ziegen und Schafen vorbehalten, die alle ein buntes (und teilweise auch ziemlich dreckiges) Getuemmel bildeten. Haben uns dann spasseshalber mal erkundigt, was man fuer ein mittelgrosses Schwein bezahlt und herausgefunden, dass man dafuer (noch ohne Verhandeln) ca. 150 Dollar zahlen darf (umgerechnet 100 Euro und damit fuer hier ziemlich viel Geld). Der hintere Teil war dann hauptsaechlich Kuehen gewidmet, die noch mit altem Besitzer auf einen neuen Besitzter warteten. Der Geraeuschpegel war uebrigens ohrenbetaeubend – vor allem die vielen Schweine und Ferkel haben einen unglaublichen Radau verursacht.
Von dort zog es uns wieder Richtung Unterkunft zum Fruehstueck. Haben auf dem Rueckweg dann auch gleich Fotos geschossen, um die Kameras beim Marktbesuch im Zimmer lassen zu koennen. Sind dann gegen halb Neun ohne Kamera und Rucksack auf dem Markt und haben mit dem Verhandeln angefangen. Haben uns dabei glaube auch gar nicht so doof angestellt, zumindest haben wir fast immer die Preise rausbekommen, die vermutlich angebracht und uns auch angemessen erschienen (als grober Hinweis wurde uns geraten nicht viel mehr als die Haelfte von dem Anfangsangebot zu bezahlen). Und mit einer ausgekluegelten Strategie haben wir das auch praktisch immer erreicht oder eben nicht gekauft (wenn Anna-Lena beispielsweise etwas haben wollte und ein noch zu hohes, aber nicht weiter sinken wollendes Angebot des Verkaeufers vorliegen hatte, dann habe ich angefangen mit dem Kopf zu schuetteln und zu „draengeln“. Da der Verkaeufer ja an dem Verkauf interessiert war und seine Felle davonschwimmen sah, sind wir auf diese Art und Weise fast immer bei einem angemessen Preis gelandet. Er konnte ja nicht wissen, dass ich kopfschuettelnder Weise meinte, dass ich den Schal, die Tasche oder was auch immer superschoen finde und an ihrer Stelle unbedingt mitnehmen wuerde). :-D
Nach ca. 4 Stunden hatten wir dann genug, zumal die Sonne an dem Tag gnadenlos auf uns niederbrannte und es furchtbar heiss war. Sind daher gegen halb zwei schwer bepackt Richtung Busbahnhof aufgebrochen, wo wir gerade so noch die letzten zwei freien Sitzplaetze in einem Bus nach Ibarra erwischt haben. Dort haben wir uns zunaechst eine Unterkunft gesucht und etwas ausgeruht. Danach sind wir losgezogen auf der Suche nach einem Cafe. Haben nach langer Suche auch eines gefunden und es uns anschliessend mit Eis und Schokolade in einem Park bequem gemacht. Spaeter an dem Tag sind wir noch auf Martin, ebenfalls einem Volontaer aus dem Waisenhaus, getroffen und waren mit ihm abends in einer kleinen Sandwichbar. Danach sind wir ins Hotel zurueck und haben eine kleine Fotoshow aufgrund eines fehlendes Spiegels in Koerpergroesse veranstaltet. Wir hatten naemlich die wirklich schwere Aufgabe einen gruenen und braunen Poncho unter uns aufzuteilen und konnten uns einfach nicht entscheiden wer welchen nimmt (Wuerde Maennern nie im Leben einfallen. Die nehmen das erste Kleidungsstueck, das passt und nicht von alleine stehen bleibt, wenn man es auszieht). :-P Nach ziemlich vielen Fotos und nochmaliger Begutachtung unserer Beute sind wir dann (wieder) mit Chips und Wein vorm Fernseher versackt.

Die Nacht zum Sonntag war ziemlich warm und relativ laut, da wir uns scheinbar auf der kleinen Partymeile in Ibarra befanden. Waren nichtsdestotrotz beide schon gegen halb Sieben wach und konnten einfach nicht mehr einschlafen, trotz verzweifelter Versuche meinerseits. Sind dann irgendwann Richtung Fruehstueck aufgebrochen und in unserem Cafe des Vortages auch wieder fuendig geworden. Haben uns dann gegen 9 Uhr mit Martin getroffen und uns die Sehenswuerdigkeiten von Ibarra angeschaut (drei Plaetze mit umliegenden Gebaeuden). Waren relativ flott fertig mit der Stadtbesichtigung und sind dann mit einem Bus nach San Antonio de Ibarra gefahren. Dieser Ort ist vor allem fuer seine Holzschnitzereien beruehmt (abgesehen davon gibt es auch nichts weswegen der Ort sehenswert waere). Die Holzschnitzereien, von denen einige wirklich schoen und andere schoen kitschig waren, hatten allerdings auch stolze Preise, so dass wir nichts gekauft haben und lediglich etwas auf dem Platz im Zentrum von San Antonio entspannt haben. Sind ca. eine Stunde spaeter wieder nach Quito aufgebrochen und ich bin dann gegen spaeten Nachmittag und bei stroemenden Regen in Sangolqui angekommen.

Und seitdem verlebe ich ein paar ruhige Tage. War gestern und heute noch mal in der Schule um Korrekturen abzugeben und Hefter zur Bewertung abzuholen. Dabei hatten gestern die 6. und 7. Klassen und heute die 5. Klasse eine Abschiedsfeier fuer mich vorbereitet. Es gab mal wieder Snacks und superleckeren Kuchen. Wenn das so weiter geht, dann kann ich am Samstag auch ohne Bus nach Tena rollen. ;-) Ich war auf jeden Fall total geruehrt von der Herzlichkeit der Schueler und habe mir sagen lassen, dass es fuer die anderen Volontaere normalerweise nur eine Abschiedsfeier gab. Die Schueler scheinen mich folglich sehr ins Herz geschlossen zu haben, was mich ehrlich gesagt etwas ueberrascht hat, da ich im Englischunterricht doch viel mit ihnen geschimpft habe und auch weiss, dass ich manchmal ein richtiges Ekel sein kann. Der liebevolle Abschied der Schueler hat es mir daher echt schwer gemacht zu gehen (beladen mit wahnsinnig vielen selbstgebastelten Karten und Geschenken), da man die Schueler ja doch ins Herz geschlossen hat und ich habe folglich mal wieder einmal mehr geheult (bin unschuldig an den Ueberflutungen in Ecuador - auch wenn das jetzt anders klingt). ;-P

Und damit war es das erstmal von mir. Hoffe es geht es euch allen gut und ihr habt die Stuerme in Deutschland gut und unbeschadet ueberstanden.

Ganz liebe Gruesse,
eure Kathrin

(Und bevor irgendjemand anfaengt zu meckern, dass ich so lange schon keine Fotos mehr hochgeladen habe, will ich die Woche noch machen!)







27 de Febrero 2008

Am Mittwoch mussten/durften die Siebtklaessler auf die ecuadorianische Flagge schwoeren. Konnte an dem Tag auch eine halbe Stunde laenger schlafen, da wir erst um 8 Uhr an der Schule sein mussten. Dort wurden dann allerhand Vorbereitungen getroffen und um kurz nach 9 Uhr ging es dann mit den Feierlichkeiten los. Die Schueler hatten ja ausreichend geuebt, um die Zeremonie ohne groessere Probleme hinter sich zu bringen.

Mir wurde waehrend der Feier die undankbare Aufgabe zugesprochen, die Schueler der einen Seite in Schach zu halten. War also fast zwei Stunden lang damit beschaeftigt die Schueler am laufenden Band zur Ordnung zu rufen (sprich vom Rumzappeln abzuhalten, Hemden wieder in die Hosen zu stopfen, Dreckklumpen und Steine aus den Haenden wieder zurueck auf den Boden zu werfen). Hatten an dem Vormittag ausnahmsweise mal schoenes Wetter (nachmittags hat es dann wieder geschuettet bis zum Abwinken), so dass etliche Kinder fast weggeklappt sind, da sie Kreislaufprobleme hatten.

Nach der feierlichen Zeremonie, die ca. 2 Stunden gedauert hat, gab es dann fuer die Lehrer, die honorierten Schueler und deren Eltern Sekt, Kuchen und Snacks. Albita musste aber leider Gottes frueher los, so dass ich gerade mal ein Miniglas Sekt abgreifen konnte (hat sich allerdings echt bemerkbar gemacht auf dem Weg zur Bushaltestelle), und zwei Kaese- und Wurstspiesse bekommen habe. Auf die Torten (*heul*) und die Salchipapas (Pommes mit angebratenen Wuerstchen *doppelheul*) musste ich leider verzichten.

War nachmittags dann allerdings in einem riesengrossen Einkaufszentrum ganz hier in der Naehe, wo ich meine Enttaeuschung des Vormittages allerdings wiedergut machen konnte. Habe naemlich fuer mehr als 3 stolze Dollar ein laecherlich kleines und total ueberteuertes Nutellaglas erstanden und abends genuesslich und feierlich mit Broetchen eingeweiht (der Himmel auf Erden).

Und damit gehen ueberaus glueckliche (und schokoladenausgeloeste) Gruesse an die Heimat,

eure Kathrin





Enttaeuschungen und Ausflug nach Mindo

Die letzte Woche habe ich mehr als ruhig verbracht. Hab lediglich meine letzten paar Stunden mit den Schuelern vor den Englischtests gehalten – schon da schwahnte mir Boeses. Mein Eindruck wurde leider bestaetigt und fast saemtliche Tests sind superschlecht ausgefallen. Frag mich allen Ernstes was ich die letzten 5 Wochen mit den Schuelern gemacht habe – den Ergebnissen nach zu urteilen nichts. Die wussten naemlich so gut wie nichts und das obwohl die Tests nun wirklich nicht schwer waren. Auf mein Nachfragen worin die Schwierigkeiten begruendet liegen, hat sich herausgestellt, dass weit mehr als die Haelfte einfach nicht gelernt haben und demzufolge die Fragen nicht beantworten konnten. Ist eine riesengrosse Enttaeuschung fuer mich gewesen, da ich unter anderem hierhergekommen bin, weil ich helfen wollte und den Kindern was beibringen wollte. Das wird hier leider nur sehr wenig anerkannt und ich denke den meisten Kindern ist der Einsatz der Volontaere ueberhaupt nicht bewusst. Habe in den oberen Klassen heute aber erst mal Abhilfe geschafft, als ich ihnen klar gemacht habe, wieviel Geld ich bezahlt habe um bei ihnen zu sein und ihnen helfen zu koennen. In der erschrockenen Stille, die danach herrschte haette man eine Stecknadel fallen hoeren koennen. Auf jeden Fall hatte ich danach die ungeteilte Aufmerksamkeit der Schueler und konnte mit ihnen die Tests durchsprechen. :-) Sie haben jetzt alle einen Tag Zeit eine Korrektur anzufertigen und den Hefter in Ordnung zu bringen – die beiden Sachen werde ich dann ebenfalls noch benoten, damit die Schueler zumindest etwas besser abschneiden und ich nicht allen superschlechte Noten reindruecken darf. :-( Am Freitag steht dann mein letzter Tag in der Schule an (bzw.stand, da dieser Freitag schon letzte Woche war und damit anderer Blogeintrag ist; bin etwas im Verzug, aber wir sind hier ja auch nicht bei der Zeitung!). Ich freue mich schon total darauf, eine Woche lang die Beine hochlegen zu koennen, bevor es dann mit der Rundreise losgeht.

Die einzige Abwechslung letzte Woche war mein Gang zur Schule in Quito um meine Kaution abzuholen und meine Aufenthaltserlaubnis zu verlaengern, da ich jetzt doch nicht nach Peru ausreise. Hab entgegen meinen Erwartungen die gesamte Kaution zurueckbekommen und kann das Wanzenkapitel finanziell doch noch gut abschliessen. Der anschliessende Besuch der Migracion war eine fuer mich ueberraschenderweise erniedrigende, aber auch sehr interessante Erfahrung. Auch wenn ich natuerlich weiss, dass ich hier Auslaender bin, habe ich mich doch nie so gefuehlt. Bis zu dem Tag an dem ich vor dem Sachbearbeiter sass und es von ihm abhing, ob mein Anliegen bewilligt wird oder ob nicht. Normalerweise ist so eine Verlaengerung reine Formsache und es gibt keine Probleme, aber es war trotzdem ein komisches Gefuehl, zumal mein Spanisch fuer solche Beamtenangelegenheiten einfach noch nicht ausreichend ist und es mir superpeinlich war, mich sprachlich dermassen blosszustellen. Der Sachbearbeiter wollten meinen Antrag auch erst nicht bewilligen, da ich viel zu frueh dran war und meinte ich sollte am letzten Tag meiner Aufenthaltserlaubnis wiederkommen (1. April). Habe ihm dann mit Haenden und Fuessen erklaert, dass ich mich zu dem Zeitpunkt auf Reisen befinden werde und demzufolge schon vorher da bin um die Angelegenheit zu regeln. Das hat er dann letzlich eingesehen und so wurde meine Erlaubnis um 90 Tage bis ca. Mitte Mai verlaengert (kann also beruhigt meiner Abreise am 4.4. entgegenblicken).

Nun will ich aber mal vom letzten Wochenende (also mittlerweile vorletztes) berichten, das war naemlich etwas ereignisreicher als die letzte Woche. Das Aufstehen am Samstag war wirklich hart: 5:30 ging der Wecker (ich betone nochmal, dass es sich um das Wochenende handelt). Albita und ich haben uns dann fertig gemacht und sind schliesslich zusammen mit Francisco (Albitas vielleicht-Freund) nach Quito gefahren, um puenktlich um 8 Uhr den Bus nach Mindo nehmen zu koennen. Lief auch alles super: kamen puenktlich in Quito an, haben gleich einen Bus zum Busterminal erwischt und auch ohne Probleme die Strasse gefunden. Dort durften wir dann feststellen, dass die Information in meinem Reisefuehrer seit etwas mehr als einem Monat veraltet ist und die Busse jetzt von einem anderen Terminal abfahren. Wir also in ein Taxi und zum richtigen Abfahrtsort gefahren, wo wir dann um 9 Uhr den Bus nach Mindo genommen haben. Der Bus war, wie fast alle, total ueberfuellt und ich hatte mal wieder das unglaubliche Pech am Gang zu sitzen, so dass ich (mal wieder) sehr enge Bekanntschaft mit einem Altmaennerhintern machen durfte (*baeh* Hat jemand die eine Sex and the City Folge gesehen, in der es sich um dieses Thema dreht? Bekomme seitdem das Bild nicht mehr aus dem Kopf). Francisco hat den Mann dann darauf aufmerksam gemacht, dass er doch vielleicht einen Meter weiter rueckt, wo mehr Platz ist (Er war in dem Moment mein Held des Tages).
In Mindo sind wir dann nach Apothekensuche (Albita hatte in der Nacht davor einen zu viel gebechert) mit einer Camioneta bis zur Tarabita gefahren. Die Strasse war echt die Haerte. Solche Schlagloecher habe ich in meinem ganzen Leben noch nie gesehen (und darueberhinaus auch spueren duerfen). Sind einmal auch leicht im Dreck stecken geblieben, so dass die Maenner Abhilfe leisten mussten (manchmal ist es verdammt schoen eine Frau zu sein!). Oben angekommen ging es dann mit der Tarabita (wenig gesicherter Stahlkorb) ueber das Tal hinweg und in den Nebelwald rein. Sind dann einer Strecke gefolgt, bei der man an 5 Wasserfaellen vorbeikommt – wir haben allerdings nur 4 gesehen, da der letzte eine sehr nasse Angelegenheit gewesen waere. Die Landschaft war traumhaft schoen und ich kam mir schon ein bisschen wie im Urwald vor (so stelle ich es mir zumindest vor. Ob ich damit recht habe, kann ich in zwei Wochen berichten; bzw. mittlerweile in etwas weniger als einer Woche). Im Reisefuehrer war uebrigens davon die Rede, dass Mindo der richtige Ort waere um sich nasse Fuesse zu holen. Weiss mittlerweile auch genau wie das gemeint ist. :-) Bei dem einen Wasserfall habe ich mir dann ebenfalls ein Herz gefasst und meine Hosenbeine hochgekrempelt, Schuhe und Struempfe ausgezogen und bin zu anderen Studenten in die Wasserfluten. Das Wasser war dann doch etwas tiefer als erwartet (bzw. meine Beine doch etwas kuerzer als angenommen), so dass ich praktisch bis zum Hintern klatschnass war und den restlichen Tag auch so rumlaufen musste (an dieser Stelle moechte ich meinem ausserordentlich resistenten Immunsystem danken, dass mich vor einer saftigen Erkaeltung bewahrt hat).
Nach ca. 3 Stunden haben wir uns dann wieder Richtung Mindo aufgemacht, wo wir dann zunaechst was gegessen haben (sehr lecker) und anschliessend noch auf einer kleinen Farm waren, wo es Schmetterlinge, Kolibris und Orchideen zu bewundern gab. Sind dann mit dem letzten Bus wieder Richtung Heimat. Albita und Francisco konnten sich dabei verdammt gluecklich schaetzen, dass das Fenster nicht geoeffnet war. Zwei Sitzreihen vor ihnen hat sich naemlich ein Fahrgast seines ueberfluessigen Mageninhalts erledigt – aus dem fensterbeugend. Und schadenfroh wie ich nun mal bin, hab ich mir gleich ausgemalt, was passiert waere, wenn das Fenster bei Albita und Francisco offen gewesen waere... :-D

Sonntags konnten wir dann etwas laenger schlafen (bis ca. 8 Uhr). Haben uns dann nach dem Fruehstueck wieder auf den Weg nach Machachi gemacht, wo wir mehrere Male auf dem Markt waren um verschiedene Sachen einzukaufen. Gegen Mittag haben wir dann Francisco getroffen, der uns zum Mittagessen eingeladen hatte (fuer umgerechnet 5 Euro haben wir eine Suppe, ein Hauptgericht, einen Nachtisch und einen Saft bekommen – alle drei!). Gegen spaeten Nachmittag (und nach einem Mittagsschlaf – ich glaube ich werde echt alt) ging es dann wieder nach Sangolquí zurueck, wo wir Quimbolitos gemacht haben. Das ist eine Art Kuchenteig, der bei Wasserdampf in grossen Blaettern gegart (gekocht oder was auch immer) wird. Ist auf jeden Fall superlecker und das Rezept habe ich mir schon gesichert um mich zu Hause mal daran auszuprobieren (gnade euch Gott). :-P

Und damit schicke ich ganz liebe Gruesse in die Ferne. Bis zum naechsten Eintrag.








Montag, 25. Februar 2008

Wahllose Eindruecke

An dieser Stelle moechte ich mal wieder einige Eindruecke loswerden, die ich in den letzten paar Tagen und Wochen gemacht habe und die fuer den ein oder anderen vielleicht von Interesse sind.
Zwei Erlebnisse habe ich gleich kurz hintereinander gehabt und zwar als Albita und ich am Donnerstag ihren Sohn aus der Schule abgeholt haben. Diesmal waren wir viel zeitiger da als sonst, da wir die Grossmutter von Albitas Schuelerin fuer 11:30 bestellt hatten, damit sie puenklich um 12:00 da ist. :-) Wir hatten also genuegend Zeit um noch etliche Sachen in der Stadt zu erledigen. Unter anderem haben wir uns auf die Suche nach zwei Filmen fuer einen Videoabend gemacht. Laeden mit gebrannten DVDs gibt es hier wie Sand am Meer. Da die DVDs dort nur um die 1,50 kosten, lohnt es sich natuerlich nicht Originale auszuleihen, sondern man geht eben dort einkaufen (mit "man" meine ich selbstverstaendlich die breite Masse der Leute und nicht speziell mich). Nicht ganz legal – aber das scheint hier niemanden zu interessieren. Das Interessante an der Geschichte war aber, dass ich an einem dieser Staende gesehen habe, wie sich ein Polizist in aller Seelenruhe mit einem der Ladenbesitzer unterhalten hat. :-D Bei uns waere der Laden sofort hochgenommen und mit saemtlichen gebrannten DVDs beschlagnahmt wurden. Aber andere Laender, andere Sitten.
Die andere Erfahrung folgte praktisch fast auf Fuss. Wir haben Kevin ausserordentlich puenktlich von der Schule abgeholt. Mussten uns dabei erst mal Richtung Tuer durchkaempfen – und das nicht nur an anderen Schuelern und Eltern vorbei, sondern auch an Verkaeufern. Vor den Schulen, und damit strategisch ueberaus guenstig geparkt, stehen naemlich wahnsinnig viele Verkaeufer mit ihren kleinen Staenden. Die verkaufen so gut wie alles was das liebe Schuelerherz begehrt – also hauptsaechlich Suessigkeiten. :-) Ich muss sagen, dass ich als Schuelerin (und sogar jetzt noch) ueberaus anfaellig fuer diese Verkaufsstaende gewesen waere. Wann kann man sonst schon mal Zuckerwatte oder karamelisierte Sachen kaufen ausser auf der Kirmis? Habe auch aufgrund dieser Staende leider Gottes genuegend leckere Suessigkeiten entdeckt (zum Beispiel caca de perros – schmeckt sehr lecker, auch wenn es nicht so klingt), so dass ich entgegen meinen Erwartungen und Hoffnungen eher zu- als abgenommen habe – verflucht seien die Suessigkeiten (Leidiges Frauenthema. Kleiner Hinweis an die Maennerwelt: Ich moechte an dieser Stelle keine problemloesungsorientierten Vorschlaege wie „Dann iss das Zeug doch einfach nicht“ oder dergleichen hoeren!).
Ebenfalls am Donnerstag, allerdings vormittags, hatte ich eine nicht sehr angenehme Erfahrung mit zwei streunenden Koetern (ich moechte mich gleich jetzt bei allen Hundeliebhabern fuer die abwertende Bezeichnung dieser Tierart entschuldigen). Hatten am Donnerstag nur bis ca. 10 Uhr Unterricht, da die Lehrerinnen daraufhin an einer Schule eine Versammlung hatten, zu der ich aber nicht mit musste. Bin daraufhin ins Internetcafe gegangen. Auf dem Rueckweg zur Schule bin ich dann besagten zwei Koetern begegnet. Der eine, ein haesslicher Boxer, kam gleich zaehnefletschend auf mich zu. Und seitdem ich einmal fast von einem Hund attackiert wurde (bin der Attacke nur durch einen verzweifelten und bemitleidenswerten, weil mehr gewollten als gekonnten, Sprung auf eine kleine Mauer entkommen), habe ich ziemlichen Respekt vor diesen Tieren. Hab wirklich Schiss gehabt, dass die mich beissen und ich mich trotz Impfung mit Tollwut infiziere (darueber hinaus waeren zwei gegen einen ein unschoener Kampf geworden). Gott sei Dank haben sich die beiden dann allerdings in eine Seitenstrasse verzogen. Andere Leute waren naemlich nicht so zimperlich wie ich und haben Anstalten gemacht mit Steinen nach den Hunden zu werfen, damit sie sich verziehen – das hat Wirkung gezeigt. :-) Eine kleine sprachliche Verirrung meinerseits muss ich an dieser Stelle noch loswerden, wenn ich schon mal beim Thema bin. Kurz nach meinem Einzug haben Albita und ihr Sohn Luis mir erzaehlt, was es alles in der Gegend zu sehen gibt. Sie haben mir dann von einem „pastor alemán“ erzaehlt, der in der Gegend wohnt. Da kein Bezug zu Hunden bestand, bin ich natuerlich davon ausgegangen, dass es sich dabei um einen deutschen Pastor handelt, der in der Gegend lebt und in der Gemeide arbeitet. Mein Fehler wurde mir allerdings dann bewusst als der Pastor in der Erzaehlung immer merkwuerdigeres Verhalten an den Tag legte und anfing im Garten rumzuspringen und zu bellen. ;-) Mittlerweile weiss ich, dass es sich bei besagtem „pastor“ um einen Schaeferhund handelt, der jedes Mal einen furchtbaren Laerm verursacht, sobald man sich dem Zaun zu sehr naehert (also auf der Strasse vorbeilaeuft). Hab schon mehrere Male fast einen Herzkasper wegen diesem Vieh bekommen. Sowas angriffslustiges habe ich noch nie gesehen – koennte schwoeren, dass der blutunterlaufene Augen hat, wie der Hund in Cuyo (Stephen King – fuer all jene, die nicht ganz so der Trivialliteratur verfallen sind wie ich). :-D
Und die letzte Beobachtung die ich an dieser Stelle noch loswerden moechte, ist der Einbrecherschutz an den Haeusern bzw. genauergesagt drumherum. Die meisten Haeuser besitzen hier naemlich nicht nur hohe Mauern und Hunde um potentielle Einbrecher abzuschrecken, sondern zusaetlich Glasscherben in den Mauern. Diese werden beim Mauerbau oben in die Mauer mit eingebaut, so dass es unmoeglich ist ueber diese Mauer zu klettern ohne sich ernsthaft an den Glasscherben zu verletzen. Die Scherben bestehen je nach Einkommen der Familie entweder aus farbigen Glasresten von diversen Flaschen (bei einkommensschwaecheren Familien) oder, bei etwas wohlhabenderen Familien, aus Resten von Fensterglas (und damit einfarbig).
Abschliessend moechte ich noch gerne die vielen Fragen nach dem Wetter beantworten. Momentan regnet es hier fast jeden Tag, was meinen Versuchen die Waesche zu trocknen nicht wirklich entgegen kommt. Die Temperaturen liegen hier meist um die 15 Grad. Regenschirm ist bei dem Wetter also unabdingbar. Die Investition in eine Regenjacke hat sich daher also wahrlich gelohnt. Und ich kann mit Stolz behaupten, dass ich „schon“ (nach knapp anderthalb Monaten) herausbekommen habe, dass die Kapuze groessenverstellbar ist! Eine wahre Meisterleistung, die mir jetzt immer freie Sicht bei Regenwetter beschert. :-D Von daher koennt ihr mich vermutlich genauso kaesig wie meiner meiner Abreise wieder in Empfang nehmen und braucht mich um das Wetter wahrlich nicht beneiden.

Und damit wuensche ich euch alles Liebe. Bis zum naechsten Eintrag,

eure Kathrin